Aktuell

Machen Sie mich schön,
Madame D'Ora!

Leopold Museum

Ausstellung mit Leihgaben aus der Sammlung Fritz Simak

13.7.2018 – 29.10.2018


Im Atelier d’Oras traten die Größen der Kunst- und Modewelt, der Aristokratie und der Politik des 20. Jahrhunderts vor die Kamera. Der erste Künstler, den sie fotografierte, war 1908 Gustav Klimt, der letzte war 1956 Pablo Picasso. Kaiser Karl von Österreich fand sich ebenso ein wie die Familie Rothschild, Coco Chanel und Josephine Baker oder Marc Chagall und Maurice Chevalier. Im Jahr 1907 eröffnete Dora Kallmus’ als eine der ersten Frauen in Wien ein Fotostudio. Innerhalb weniger Monate galt das Atelier d’Ora als eleganteste und renommierteste Adresse für das künstlerische Porträt und ihre Aufnahmen fanden in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften im In- und Ausland weite Verbreitung. Im Jahr 1925 brachte ein Angebot des Modemagazins L’Officiel d’Ora nach Paris, das fortan ihr Lebens- und Arbeitsmittelpunkt sein sollte. Zahllosen Aufträge für Mode- und Lifestylezeitschriften folgten, die erst Mitte der 1930er-Jahre abebbten, als die politische Lage in Europa zunehmend prekärer wurde. Als entrechtete Jüdin verlor d’Ora 1940 ihr Atelier in Paris und musste sie sich jahrelang vor den deutschen Besatzungssoldaten in Frankreich versteckt halten. Gerade noch davongekommen, richtete die Gesellschaftsporträtistin nach 1945 ihren zugleich scharfen und einfühlsamen Blick auch auf die namenlosen Heimkehrer aus den Konzentrationslagern und auf das Schlachtvieh der Pariser abattoirs. D’Oras Werk spannt einen einzigartigen Bogen von der Repräsentation des letzten österreichischen Monarchen, über den Glamour der Pariser Modewelt der 1920er- und 1930er-Jahre bis hin zu einem gänzlich veränderten Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.

Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Photoinstitut Bonartes und dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.

Kuratiert von: Monika Faber und Magdalena Vukovic




MADAME D'ORA
Schlachthof Paris, 1950er Jahre
Silber Gelatine, 34 x 27,6 cm
Sammlung Fritz Simak




MADAME D'ORA
Elsa und Bertha Wiesenthal, 1916
Silber Gelatine, 13 x 9cm
Sammlung Fritz Simak

Robert Zahornicky – Wolfgang Reichmann – Fritz Simak

Verein für Kunst und Kultur Eichgraben
3032 Eichgraben, Kirchengasse 15, direkt beim Bahnhof

Ausstellung

2.9.2018 – 30.9.2018


... und so begann im Anschluss an einen Lokalaugenschein in Eichgraben die Suche nach einem verbindenden Motto: „Dreiklang“ schien vielversprechend - drei befreundete Herren präsentieren sehr kompakt anhand von drei Fotoserien ihre unterschiedlichen Herangehensweisen an das Medium! Die Idee funktionierte visuell leider nicht und eine Abweichung vom „Trilogie Prinzip“ wurde notwendig, womit nun Beispiele aus insgesamt 4 Serien gezeigt werden.

So ergab es sich, dass Fritz Simak mit einer Auswahl aus zwei Werkgruppen vertreten ist. Seine „Ringer“ übernehmen es in der Ausstellung den formalen Bezug zu den angrenzenden „Bananenfotogrammen“ von Wolfgang Reichmann herzustellen (was kurioser klingt als es ist), während auf der anderen Seite die Linearität seiner „Lightworks“ zur grafisch reduzierter Auffassung von Robert Zahornickys „Lichtungen“ vermittelt.

Die Konzentration auf lediglich vier Genres lässt dem Besucher Zeit und Muße sich genauer mit den einzelnen Arbeiten zu beschäftigen und inhaltlichen Fragen ebenso nachzugehen, wie jenen der Komposition oder der verwendeten Techniken. Auf diese Weise schärft das Studium der ästhetischen und intellektuellen Qualitäten letztlich auch das Auge für das Individuelle der jeweiligen Bildsprachen.

Andrea Jünger

 



Fritz Simak
Lichtzeichnung 5, 2003
Type-C Print, 25,3 x 31,2 cm



Fritz Simak
Ringer 1, 2005
Gelatin Silver Print, Selenium getont, 23,9 x 29,6 cm

Robert Zahornicky – Wolfgang Reichmann – Fritz Simak

Verein für Kunst und Kultur Eichgraben
3032 Eichgraben, Kirchengasse 15, direkt beim Bahnhof

Künstlergespräch

23.9.2018, 15 Uhr


Wolfgang Reichmann
nutzt die vermeintliche Realität des fotografischen Abbildes, um mit 36 Direktbelichtungen einer halbgeschälten Banane den Eindruck von Momentaufnahmen zu suggerieren. Doch die körperliche Präsenz der dargestellten Frucht wird in der Folge als schönfarbige Illusion enttarnt, da nicht das Objekt selbst auf dem Fotogramm zu sehen ist sondern seine substanzlosen Schatten, die sich in einer Art „ghost version“ materialisiert haben. Darüber hinaus wird mit der seriellen Präsentation der mehrteiligen Arbeit der Eindruck eines filmischen Ablaufs erweckt. Wie auf einem Storyboard entwickelt der Fotograf aus anmutigen Einzelposen die Choreo- graphie für seine Hauptdarstellerin und lässt sie für uns tanzen.

Um Bewegung geht es auch bei Fritz Simak, der mit großer Aufmerksamkeit die skulpturale Körperlichkeit entkleideter Ringer mit Licht- und Schatteneffekten modelliert. Die beiden Protagonisten scheinen jeweils für einen Moment in den komplizierten Bewegungsabläufen zu verharren, um dem Betrachter ihre schönen Konturen in kunstvollen, an barocke Kompositionen erinnernden Verkürzungen zum Genuss darzubieten.
Zeit und Veränderung behandelt auch die Serie „lightworks“, in der Simak die faszinierenden Effekte einer sich beständig wandelnde Lichtskulptur während eines Ausstellungsbesuches aufzeichnet. Das aufgeregte Lineament zu dem sich die farbigen Reflexe bündeln leitet abschließend zum dritten künstlerischen Beitrag über:

Von der Panoramakamera mit gleichbleibender Schärfe erfasst – was zu einer irritierenden weil nicht fokussierten Raumwahrnehmung führt – ragen hier winterlich entlaubte Baumkronen wie Wurzeln in den Himmel und spiegeln gleichsam wieder was sich an Geflecht im Waldboden verbirgt. Robert Zahornicky schildert in diesen stillen Schwarzweiß -Fotos Lichtungen, die sich zwischen den unterschiedlichsten grafischen Strukturen des verzweigten Geästs auftun und den Betrachter in einen Zustand der Schwerelosigkeit versetzen. Es ist, als könne man vom Boden losgelöst entlang der Stämme emporschweben und den Heiligen gleich levitieren.

Andrea Jünger